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Basketball: Die mazedonischen Bayern Geschwister

Nach der U16-Europameisterschaft wechselt Daniel Zdravevski zum FC Bayern München. Die EuroLeague ist das ferne Ziel des jungen Hageners.

Auf dem Weg zur EM in Montenegro und dann zum FC Bayern München: U16-Nationalspieler Daniel Zdravevski (Mitte) verlässt Hagen.

Schwester Laura - mittlerweile U20-Nationalspielern - hat schon mit 15 das Elternhaus verlassen, der jüngere Bruder Daniel folgt nun als 16-Jähriger. Bei der vom Basketball geprägten Familie Zdravevski in Eppenhausen wird man früh flügge. Und Daniel Zdraveski reist nicht nur in diesem Sommer - aktuell ist er in Athen - durch die Sporthallen Europas mit der U16-EM in Podgorica/Montenegro (11. bis 19. August) als Ziel. Direkt danach zieht der bisherige Spieler von BG Hagen und Phoenix Youngsters um nach München, um dort künftig für den FC Bayern zu spielen. Mit großen Ambitionen. „Mein Ziel ist es, später mal in der EuroLeague zu spielen“, sagt er.

Einen Vorgeschmack auf die internationale Basketball-Welt auch jenseits der Nationalteams erhielt Daniel Zdravevski schon im Frühling. Mit dem Nachwuchs-Bundesligateam des FC Bayern München reiste der Hagener nach Malaga, um dort an einem U18-Turnier der EuroLeague mit Spielen gegen Real Madrid, Cibona Zagreb, Betis Sevilla und Darussafaka Istanbul teilzunehmen. „Das war ziemlich cool“, sagt Zdravevski, auch wenn er im Kreis der meist zwei Jahre älteren Teamkollegen - darunter auch der Schwelmer Phoenix-Kollege Vladimir Pinchuk - nur Minuten-Einsätze erhielt: „Ich war glücklich, dabei zu sein.“

Im künftigen Münchner NBBL-Team der Trainer Demond Greene und Oliver Kostic, das kürzlich Deutscher Meister wurde, soll der bisher in der jüngeren Jugend-Bundesliga (JBBL) aktive Flügelspieler aber einen festen Platz erhalten. „Die Bayern-Trainer sagen, Daniel hätte in der abgelaufenen Saison schon in der NBBL gespielt“, sagt Vater Tome Zdravevski, Zweitregionalliga-Coach bei der BG und früher Phoenix-Trainer. Für zunächst zwei Jahre hat sich der Sohn an den FC Bayern gebunden, soll dort in der NBBL und der 2. Regionalliga spielen, zudem bei der Münchner Reserve in der ProB mittrainieren. Nach der Mittleren Reife an der Hagen-Schule absolviert er künftig Bundesfreiwilligendienst bei seinem neuen Verein. „Er kann sich im nächsten Jahr ganz auf Basketball konzentrieren“, sagt Tome Zdravevski, „da kann man im Training sehen, wie er sich entwickelt und ob er den Sprung körperlich schon schafft.“

Potenzial auf Flügelposition
2,06 m groß ist der 16-Jährige jetzt schon - und soll nach Auskunft der Ärzte noch wachsen. Auf der Center-Position sehen Trainer und Familie ihn aber auch perspektivisch nicht. „Egal, wie groß Daniel wird, unter dem Korb hätte er keine Chance“, sagt der Vater, auf der Flügelposition drei sieht er das größte Potenzial. Wobei der Junioren-Nationalspieler - nicht zuletzt dank des Individual-Trainings bei BG-Jugendtrainer Vid Zarkovic - auch über Pointguard-Fähigkeiten verfügt und den Ball bringen kann.

In der deutschen U16 ist das nicht so gefragt, dort wird Daniel Zdravevski als zweitlängster Spieler im Aufgebot - nur der Ludwigsburger Center Ariel Hukporti überragt ihn noch - meist auf der Vier eingesetzt. Die am 11. August startende Europameisterschaft in Montenegro mit dem Nationalteam von Bundestrainer Alan Ibrahimagic ist das erste große Turnier für den gebürtigen Hagener, der eine Anfrage des mazedonischen Verbandes ausgeschlagen hat. Gegen die Türkei, Slowenien und Finnland müssen die Deutschen in der Vorrunde antreten, um sich eine gute Ausgangsposition für die K.o.-Spiele zu verschaffen. „Wir wollen schnell spielen, mit möglichst wenig Ballverlusten“, weiß Zdravevski, als Team habe man durchaus den Titel als Ziel. Auch wenn zuletzt Testspiele gegen Griechenland, Spanien, Frankreich und Italien verloren gingen.

Eine Woche nach der WM zieht er dann nach München um, wird dort in einer WG zusammen mit anderen Spielern wohnen. Insgesamt sechsmal war Daniel Zdravevski schon in dort, die Bayern haben sich sehr um ihn bemüht. Bei Phoenix hat man da wenig Chancen auf einen Verbleib des Talents in Hagen gesehen. „Im Winter, als die Entscheidung gefallen ist, hatten wir ja auch nichts anzubieten“, verweist Trainer Matthias Grothe auf die insolvenz-bedingte Ungewissheit. Und Tome Zdravevski lässt keinen Zweifel daran, wie früh die Priorität für seinen Sohn aussah: „Bayern ist Bayern, da sagt man nicht einfach nein. Wenn so eine Chance kommt, kann man sie sich nicht entgehen lassen.“

QUELLE: Westfalenpost

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