Das Lied vom Leid: Mazedonier Gligor Goshev verdient seinen Lebensunterhalt durch Straßenmusik in Mainz

Gligor Goshev hat eine Zeit voller Herausforderungen hinter sich. Eine Zeit, in der er sich selbst stark reflektiert hat. Die Gesellschaft. Den Lauf der Dinge. Hingebracht hat es ihn mal kurz ins Krankenhaus. Da wuchs ihm alles über den Kopf. Und dann noch das liebe Geld, ohne einen festen Job auch so eine Sache. Goshev erzählt ganz offen darüber. Die Intensität seiner Gefühlswelt schlage sich in der Musik nieder, sagt er. Sie mache ihn zu einem besseren Musiker, die Dinge, von denen er singt, authentisch.


Der 27-Jährige kommt aus Mazedonien. Einem Land, das als sicherer Herkunftsstaat gilt. Mazedonier haben in Deutschland also kein Recht auf Asyl. Für Goshev wäre das aber von Vorteil, denn er will hierbleiben. Er hangelt sich als Alternative von Visum zu Visum, drei Monate am Stück darf er in Deutschland bleiben. Goshev verdient sein Geld mit der Straßenmusik. In zwei Wochen hat er neun deutsche Städte abgeklappert, geschaut, wo es am leichtesten ist. Seine Wahl fiel auf die Städte um Frankfurt: Wiesbaden und Mainz. In Kriftel kann er wohnen, bei einem befreundeten Musiker.

In seinem Heimatland hat Goshev an einer Musikschule studiert. Und abgebrochen. Wollte stattdessen Geld verdienen, für seine Mutter, die unter Thrombose litt. „Ihr Bein wäre fast amputiert worden“, sagt er. „Mazedonien ist ein armes Land, ich konnte nicht genug für sie verdienen“, sagt Goshev. Mit der Straßenmusik hat er den Krankenhaus-Aufenthalt seiner Mutter bezahlt. Als sie wieder gesund war, wollte sich sein Vater von ihr scheiden lassen. Goshev holte sie nach Deutschland. Hier wollte sie einen Job finden, einen neuen Weg. Sie scheiterte. Das ganze Leid teilte sie mit ihrem Sohn, er sog es auf. Und dann war da dieser Tag auf der Straße.

Es hat sich schon früh morgens angedeutet, dass irgendetwas nicht stimmt. Da war so ein Kribbeln in seinen Händen. Musik machen wollte Goshev dennoch. Geld verdienen. Er ging auf die Straße. Das Kribbeln wurde intensiver, er konnte plötzlich kaum atmen. „Ich dachte, ich kriege einen Herzinfarkt.“ Er ging ins Krankenhaus, unversichert. Man nahm ihm Blut ab, maß seinen Puls, das Übliche. Goshev hatte keinen Herzinfarkt, es war eine Panikattacke. „Die Untersuchungen haben mich ein Vermögen gekostet“, sagt er. Es gibt Tage, da verdient er 200 Euro. Und welche, da spielt er 40 Euro ein.

Goshev nimmt eine Kräuterpastille. Gut gegen Heiserkeit. Er will schließlich so gut wie jeden Tag singen, auf der Gitarre spielen.



Mit seiner Schwester zusammen hat er in seiner Heimat eine Band namens „The G Notes“. Auf Youtube gibt es einige Videos von ihm. Wie seine Zukunft aussieht, das weiß er nicht. Am liebsten würde er in Deutschland bleiben. Aber er weiß, dass er nach Mazedonien zurück muss. Seine Familie erwartet ihn.

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